Das Deutsche Rugby braucht eine solide Basis

Startschuss für neue Rugbyabteilung in Ludwigshafen

Am 10.11.2017 fand im Rathaus Ludwigshafen im Rahmen des „Runder Tisch Ehrenamt und Asyl“ ein denkwürdiges Treffen statt. Im Mittelpunkt stand dabei die Gründung einer Rugbyabteilung beim Traditionsverein „SV Südwest 1882 Ludwigshafen“ – der ersten und bisher einzigen Rugbyabteilung im Ballungsraum Ludwigshafen/Mannheim mit über einer halben Million Einwohnern.

Das volle Potenzial dieses „Rugby-Projekts“ wird jedoch erst auf den zweiten Blick deutlich. Denn die neue Rugbyabteilung hat Vorbildcharakter. Dies wurde auch von Seiten des Deutschen Rugby Verbands (DRV) erkannt, und so reiste prominente Unterstützung an: Nationalspieler Carlos Soteras-Merz, 7er-Manager Michael Tuttor sowie DRV-Vizepräsident Michael Schnellbach nutzten die Gelegenheit, um das Deutsche 7er- und 15-Rugby aus erster Hand zu präsentieren. Bei den ca. 25 Multiplikatoren aller Ludwigshafener Stadtteile hinterließen sie einen bleibenden Eindruck – nach Applaus und Autogrammen zu urteilen.

„Eine Blaupause für neue Rugbyvereine in Deutschland“

Angefangen bei den Vorüberlegungen über die Gründung bis hin zum Aufbau eines Teams und der Erhöhung der Mitgliederzahlen sind die Aktivitäten durch schlüssige Konzepte untermauert. So war auch der Termin im Ludwigshafener Rathaus ein Schritt im Konzept zur Mitgliedergewinnung. Die Verantwortlichen wollen von Anfang an Vieles richtig machen, um einen erfolgreichen Rugbyverein auf festem Fundament aufzubauen; mit dem Ziel, die Mitgliedszahlen des SV Südwest 1882 Ludwigshafen innerhalb weniger Jahre um mindestens einige Hundert Mitglieder zu erhöhen und damit gleichzeitig benachteiligte Kinder und Jugendliche am Standort sowie den Rugbysport in Deutschland generell zu unterstützen.

Die Erfahrungen und Konzepte, die während dieser Zeit gemacht werden, hält Abteilungsleiter Steffen Schnieders auf einem eigens dafür eingerichteten Blog fest. Das Besondere: dieser Blog soll anderen Personen, die vor der gleichen Frage stehen: „Soll ich vllt. auch einen Rugbyverein gründen?“ die Bedenken nehmen und den Weg weisen. Denn auch er habe die gleiche Ausgangsposition wie so viele andere, die vor dieser Frage stünden. Man müsse nur den ersten Schritt tun und den Stein ins Rollen bringen. Im Blog festgehalten werden etwa Experimente mit effizienten Marketingmaßnahmen oder die Ausarbeitung grundlegend wichtiger Dokumente für mehr Planungssicherheit und Motivation bei der Gründung.

Bild: Gemeinsam bei der Basisarbeit – nach der Präsentation im Rathaus Ludwigshafen. V. l.:

  • Michael Schnellbach (DRV-Vizepräsident 7er-Rugby)
  • Michael Tuttor (DRV-Leistungssportreferent 7er-Rugby)
  • Carlos Soteras-Merz (Spieler Deutsche Rugby-Nationalmannschaft)
  • Steffen Schnieders (Abteilungsleiter Rugby SV Südwest 1882 Ludwigshafen)
  • Torsten Heger (1. Vorsitzender SV Südwest)
  • Homib Mebrahtu
  • Fabian Schefcik (Rugby-Trainer SV Südwest)

Das Vorhaben birgt für die Verantwortlichen jedoch ein gewisses Risiko. Denn, um Wegweiser aufstellen zu können, muss zunächst einmal die richtige Stelle gefunden, die Erlaubnis eingeholt, das Loch in den Boden gebohrt und dann noch korrekt ausgerichtet werden. Und das kostet alles Zeit und Geld, das erstmal aus eigener Tasche investiert werden muss. In Bezug auf das Rugby-Projekt bedeutet das, dass man bspw. in Vorkasse gehen muss, um Trikotsätze in China zu bestellen, mit der Gefahr, sein Geld in niedrige Qualität fehlinvestiert zu haben oder gar nichts dafür zu bekommen. Im Erfolgsfall jedoch wird der Weg zu einem guten und günstigen Trikotsatz festgehalten und der entsprechende Händler offiziell weiter empfohlen. Damit werden die oft sehr kargen Finanzen bei der Gründung eines Rugbyvereins entlastet und jeder Rugbyverein in Deutschland könnte davon profitieren. Und das ist nur eine Maßnahme von vielen.

„Man muss was zusammen machen“

Weitere große Themen sind das Finden eines geeigneten Platzes, das Überzeugen eines größeren Sponsors oder die Gewinnung möglichst vieler Mitglieder. Dabei stößt man manchmal an die Grenzen der eigenen Kapazitäten. Aber auch wenn man wochen- oder monatelang keine Fortschritte erzielt, geht die Motivation, und damit das gesamte Projekt, den Bach runter. Man benötigt weitere Personen, die einen selbst oder das Projekt ehrenamtlich unterstützen. Auch die Rugbyabteilung des SV Südwest kann auf motivierte Unterstützung zählen. Nicht zu vergessen sind hier die Angebote, die der DRV, die Rugby-Landesverbände oder auch die Wild Rugby Academy im Bereich „Mittelstellung“, „Get into Rugby“ oder „Durchführung/Unterstützung von Trainings“ auf eigene Kosten zur Verfügung stellen. Auf dieser Ebene wird deutlich, dass Jeder Akteur das gleiche Ziel hat, den Rugbysport in Deutschland zu unterstützen.

Besonders wichtig ist auch, Gleichgesinnte zu finden. Wie bspw. Trainer, die sich auf die Anzeige beworben haben, gaben gleich zu verstehen, dass sie das Training auch ehrenamtlich für das Wohl des Deutschen Rugbys durchführen würden. Nicht zu vergessen sind auch die nicht genannten Helfer im Hintergrund, die kostenlos etwa Flyer designen, Filmaufnahmen machen oder die Website betreuen. Damit kann man den Grundstein legen.

Und mit der Zeit, mit mehr Mitgliedern, gibt es auch mehr potenzielle Unterstützer. Nicht zu unterschätzen ist bei alldem die Motivation, die durch gemeinsame Interesssen/Arbeit entsteht. Die Arbeit hat begonnen.

Update 09.01.2019: In einer früheren Version dieses Artikels wurde Homib Mebrahtu als Motivationscoach bei der Rugbyabteilung des SV Südwest genannt. Dies war falsch, es kam nie zu einer Kooperation und der entsprechende Absatz wurde entfernt.

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