Rugby braucht Marketing

Rugby-Marketing befriedigt natürlichen Eigennutz

Menschen helfen, wenn sie sich davon etwas für sich selbst versprechen. So etwas wie Altruismus – also etwas zu tun, von dem ausschließlich andere profitieren – gibt es im Grunde nicht. Immer, wenn ein Mensch freiwillig etwas tut, hat er selbst davon einen Nutzen. So kann ein gutes Gefühl für einen ehrenamtlichen Mitarbeiter darin in dem Wissen bestehen, einen Teil zum Erfolg des eigenen Vereins beigetragen zu haben.

Ein weiteres Beispiel sind die Zuschauerzahlen bei Länderspielen im Stadion: Man liest immer wieder Aufrufe, die Rugby-Gemeinschaft solle sich doch zusammenreißen und ins Stadion kommen. Das ist so verständlich wie nutzlos. Wenn die Leute ins Stadion kommen, dann wenn sie selbst davon profitieren – und niemals nur wegen eines Aufrufs. Mit einem Aufruf kann man vllt. diejenigen erreichen, die eh schon Lust haben, aber das letzte Tröpfchen hin zur Entscheidung gefehlt hat. Die Masse der Zuschauer muss aber eine Verbindung zwischen Stadionbesuch und Glücksgefühlen, wie dem eigenem Anteil am Erfolg oder das eigene Team gewinnen zu sehen, herstellen. Ist dies nicht der Fall, erzeugen solche Aufrufe unbewusst oft Abwehr und eher negative Gefühle. Generell, wenn negative Berichte oder Streitigkeiten öffentlich werden, hat das einen eher abschreckenden Einfluss auf potenzielle Interessenten.

Wenn man mehr Menschen ins Stadion bekommen will, brauchen diese etwas, wovon sie profitieren können. Das ist bei Sportveranstaltungen hauptsächlich die Befriedigung, auf der Gewinnerseite zu stehen. Der grundlegende Zusammenhang ist relativ leicht: Umso besser eine Mannschaft spielt und umso mehr Erfolge sie hat, desto mehr Zuschauer und mehr Fans hat sie. Abseits dieser Siege muss man kreativ werden, um einen weiteren Nutzen zu bieten. Wie das für die Spiele der Nationalmannschaften umgesetzt werden sollte, kann und soll an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Dafür gibt es andere Experten.

Mehr Interessierte durch Partnerunternehmen

Im Marketing-Konzept der Rugbyabteilung beim SV Südwest 1882 Ludwigshafen wird aber etwa die Bedeutung von Teambuilding für Unternehmen hervorgehoben: So sieht das Sponsoring-Konzept vor, dass bspw. 20 Eintrittskarten an ein Partnerunternehmen (den Sponsor) verschenkt werden. Ob diese Karten vom DRV kommen oder durch das Sponsoring des Unternehmens finanziert werden, bleibt individuell zu planen. Eigenfinanzierung wäre für die meisten Vereine schwierig.

Damit ein Sponsor (das Unternehmen) die Freikarten im Rahmen eines Sponsorenvertrags den eigenen Mitarbeitern bereit stellt, muss er den Nutzen von gemeinsamen Stadionbesuchen (resp. Teamaktivitäten/Mitarbeiterbindung) erkennen. Wenn diese Karten dann durch den Rugbyverein an die Angestellten verlost werden, erhöht sich sowohl dessen Bekanntheit als auch die des Sports bei den Angestellten und ggf. deren Begleitungen. Und wenn dann solche Verlosungen in mehreren Unternehmen in der Region durchgeführt werden, kann eine große Reichweite für die eigene Sache generiert, das Teambuilding in den kooperierenden Unternehmen unterstützt und die Zuschauerzahlen bei Länderspielen gesteigert werden. Am Ende profitieren wieder alle Beteiligten.

Ohne Marketingmaßnahmen wie diese kann ein Rugbyverein nicht aufgebaut werden. Weil sonst die Basis für die eigenen Tätigkeiten fehlt und man selbst auch keine Basis für die Nationalmannschaften darstellen kann. Und immer ist wichtig hervorzuheben, dass diejenigen, die unterstützen sollen, auch einen Vorteil davon hätten. Ohne eigenen Vorteil, wird sich weder ein Unternehmen, noch ein ehrenamtlicher Mitarbeiter langfristig engagieren.

Mehr Zuschauer bei Rugbyspielen

Das Konzept der Ludwigshafener Rugbyabteilung mal im größeren Stil weitergedacht: Wäre es nicht denkbar, dass der DRV mit großen Unternehen kooperiert? Und zwar in der Form, dass den Mitarbeitern der Unternehmen Freikarten zur Verfügung gestellt werden. Der Nutzen davon läge auf beiden Seiten: Die Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern einen Mehrwert und Teamaktivitäten zur Mitarbeiterbindung und der DRV kann höhere Zuschauerzahlen in den Stadien erzielen. Davon profitiert die Stimmung und das Catering vor Ort.

In den Regionen, in denen die Länderspiele ausgetragen werden, gibt es zahlreiche große und mittelständische Unternehmen, die in Frage kämen: Offenbach, Wiesbaden, Leipzig, München. Und wenn das ganz große Geschäft mit den größten nicht zu Stande kommt, könnte man auch an viele kleinere Unternehmen gehen. Das wäre zwar mehr Arbeit, aber ohne geht es eben nicht. Irgendetwas muss in naher Zukunft passieren.

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